Ihr sollt dem Kaiser geben, was des Kaisers istTanja KinkelDarsteller: ein Mann im Gegenwartskostüm. Ministerpräsident Stoiber, notfalls Herr Faltlhauser (eben ein Hoher Bayerischer Politiker), ein Mann in der Kleidung des frühen 19. Jahrhunderts (Montgelas) HBP: (Selbstgespräch) Man traut sich ja gar nicht mehr zu unserer nördlichen Außenstelle nach Kloster Banz. Jedesmal, wenn ich durch Bamberg komme, gibt es neue Forderungen wegen des Dom-Schatzes. Jetzt sind sie nicht einmal mehr mit einer Leihgabe zufrieden. Montgelas: (tritt hinzu) Excellenz, das war auch zu meiner Zeit nicht anders. Bis an den Tegernsee hat man mich verfolgt. HBP (misstrauisch): Und Sie sind? Montgelas: Ihr Helfer in der Not. Ich weiß natürlich, dass die Bayerische Staatsregierung üblicherweise auf göttliche Ratschläge wartet, nur um dann das Gegenteil zu tun, aber da es um die Folgen der Säkularisation geht, ist der da oben immer noch etwas angesäuert. Ich dachte halt, etwas menschlichere Inspiration wäre da angemessen. Kurzum, vor Ihnen steht die Inkarnation des wichtigsten Politikers, den Bayern je hervorgebracht hat. HBP: Hören Sie, Sie haben aber keine Ähnlichkeit mit mir, äh, mit meinem Mentor Franz Josef Strauß. Montgelas: Habe ich dafür dem Land die erste moderne Verfassung gegeben, die Folter abgeschafft, die Schul-und die Wehrpflicht eingeführt, Gewichte und Währungen vereinheitlicht, die Pockenschutzimpfungen veranlasst, die religiöse Gleichberechtigung eingeführt, die…. Ach was soll's, vor Ihnen steht Maximilian, Graf Montgelas, Minister seiner Gnaden Max Joseph dem IV. HBP: Mein Gott. Sie sind der, der uns die Säkularisation und damit diese aufrührerischen Franken eingebrockt hat? Montgelas: Daran hatte ich in der Tat einen bescheidenen Anteil. HBP: Bescheidener Anteil. Ihr Anteil steht unübersehbar als Hotel Bayrischer Hof heute noch in München. So groß, dass man heute alle bayerischen SPD Mitglieder dort gleichzeitig unterbringen könnte. Montgelas: Bayern hat seine besten Diener eben immer schon angemessen belohnt. Schließlich hätten wir die Säkularisation bei uns überhaupt nicht gebraucht. Wir hatten durch durch Frankreich überhaupt keine Verluste gehabt. Aber ich habe so den Staat saniert. HBP: Aber warum ausgerechnet Franken? Montgelas: Im Austausch gegen die Pfalz. Seien Sie ehrlich und denken Sie an Ihre Pflichtbesuche in Oggersheim. Wäre Ihnen der Dicke in München lieber gewesen als der Beckstein oder den Schnappauf? Außerdem, es war wirklich ein gutes Geschäft. HBP: Ja, aber Sie haben dabei die Klöster aufgelöst! Die Bistümer verstaatlicht! Ihretwegen sitzen mir jetzt schon wieder diese Bamberger im Genick und wollen ihren Schatz auf Dauer wieder haben! Dabei habe ich mich so an die Kronen gewöhnt. Wenn Sie es nicht weiter erzählen… Die sind gar nicht so brüchig, wie meine Museumschefin behauptet. Wenn ich nach Berlin muß, brauch ich sie nur ein Stündchen zu tragen. Wenn ich dabei den Spiegel befrage, sagt er mir stets: "Edmund, du bist der Mächtigste hier im Land", und all meine Trauer über Angies Karriere ist wie weggeblasen. Montgelas: Papperlappap. Wie ich schon sagte: ein gutes Geschäft war es. Schließlich war ich nicht nur Außen-, sondern auch Finanzminister. HBP: Aber hatten Sie sich nicht damals auch verpflichten müssen, die ganzen Angestellten der Kirche zusammen mit den Grundstücken, Beteiligungen, den Schätzen und den alten Bibliotheken zu übernehmen? Wie soll das ein gutes Geschäft gewesen sein? Montgelas: Gewisse Streichungen mussten da natürlich gemacht werden. Gerade in Bamberg. Ich kann mich noch an die Liste des fürstbischöflichen Haushalts erinnern, die mir von Bamberg zugeschickt wurde. Hundertzweiundzwanzig Personen allein im direkten Haushalt des Bischofs, darunter solche Ämter wie Hoftafeldecker und Lichterherausgeber. Das hochfürstbischöfliche Oberstallmeisteramt hatte nicht nur einen Oberstallmeister und Knechte, was ja verständlich ist, sondern einen Edelknaben-Hofmeister, einen Edelknaben-Instruktor, einen Edelknaben-Exerzitienmeister, einen Edelknaben-Diener, und so weiter. Ach ja, und zwei Edelknaben. Können Sie mir sagen, wozu ein Bischof Edelknaben braucht? Ich kann Ihnen sagen, da war ich mit dem Rotstift zugegen. Zumal ich damals noch nicht durchsetzen konnte, dass die Bürger das mit einer Art Kirchensteuer berappen mussten, was wir für den Staat gerade den Kirchen abgenommen hatten. HBP: In der letzten Petition, die ich zu diesem Thema überreicht bekam, stand aber, Ihr König hätte zum Bamberger Abgeordneten Seuffert gesagt, er könne an den armen Bamberger Bischof nicht denken, ohne zu Tränen gerührt zu werden. Montgelas: Damals war er noch Kurfürst, wenn ich Sie ergänzen darf. Weinen Sie doch ebenfalls, mein Lieber, weinen Sie. Es herrschte Arbeitsteilung im besten Sinn zwischen seiner Gnaden und mir. Sie kennen doch gewiß das guter Polizist, böser Polizist-Spiel? Spielen Sie den Guten und lassen Sie den Faltlhauser den Bösen spielen. Damals wurden wir auf diese Weise gerade die Bamberger schnell wieder los. Was sollten sie noch sagen, wenn ihr Landesvater über ihr Schicksal weint? HBP: Das kann ich nicht machen. Es würde mir mein männliches Image bei den Wählern ruinieren. Montgelas: Nun, dann nutzen Sie einfach die heutigen Wittelsbacher. Weisen Sie doch die Bamberger darauf hin, dass sich die meisten Stücke, die sie wiederhaben wollen, bei denen im Ausgleichsfond befinden. Welche wollen sie denn in Bamberg behalten? HBP (geht eine Listen durch): Die Heinrichskrone, die Kunigundenkrone, die Frauenkrone, das Perikopenbuch … Montgelas: …meine Güte. Die Franken sind heute auch nicht praktischer als damals. Wie ich mich erinnere, beschlagnahmten wir etwa zwölf Zentner Gold und Silber aus den Hofkapellen in Bamberg und Schloß Seehof. Oh, und sehr viel ansehnliches Japanisches und Dresdner Porzellan. Gold und Silber, möchte man meinen, wäre den Bambergern heute sehr viel nützlicher, aber nein, sie wollen die Kronen und das Buch. HBP: Nun ja, Heinrich II. hat sie ihnen auf ewige Zeiten vermacht, und wir hätten deshalb gar kein Recht besessen, das in unseren Kompromiss mit den Wittelsbachern einzurechnen, anno 1923, als deren Privatbesitz vom Staatsbesitz getrennt wurde. Mir werden die entsprechenden Passagen oft genug zitiert…. Montgelas: Mein Freund, das kommt ganz darauf an, wie man die Sache betrachtet. Er hat sie dem Bistum vermacht. Aber einer der wichtigsten Punkte unserer Säkularisation war, den Bayerischen Staat zum Rechtsnachfolger sämtlichen kirchlichen Eigentums zu machen. Sämtlichen - verstanden? Damit hat Heinrich der Zweite sie eigentlich uns hier in München vermacht. HBP (zweifelnd): Ich glaube nicht, dass ich mit dem Argument weit kommen werde… Montgelas: Mein Lieber, Sie müssen aufhören, aus der Defensive zu agieren. Lassen Sie sich von jemandem beraten, der das Privileg hatte, Napoleon aus nächster Nähe zu erleben, und gehen Sie zum Angriff über. HBP: Wie das? Montgelas: Wenn Ihnen die Bamberger das nächste Mal mit irgendwelchen Forderungen nach Schätzen kommen, die bei uns in München viel besser aufgehoben sind, fragen Sie die Franken doch, ob sie denn zusammen mit den Kronen, den Juwelen und den anderen Dingen auch die alten Verhältnisse wieder haben wollen. Kein Anrecht auf Grund und Boden aus ehemaligem kirchlichem Besitz, keine Gleichstellung für Nichtkatholiken, und dem Bamberger Fürstbischof haben sogar die meisten Brauereien und Biergärten in Oberfranken gehört. HBP (pedantisch): Keller. Im Bamberg heißen die Biergärten Keller. …Aber sagen Sie mal, stimmt das wirklich, oder meinen Sie das jetzt rhetorisch? Montgelas: Nicht doch. Wie ich bereits erwähnte, sind mir die Listen, die meine Leute damals erstellten, in bester Erinnerung. Dem Fürstbischof der Stadt Bamberg gehörten unter anderem "das Braune Bier-Haus", "das Weiße Bier-Haus" und "die auf dem Felsen-Keller gebaute Hall", und die anderen Privatbrauereien brauten unter der Anleitung der Mönche vom Michaelsberg. Mein Sekretär hat den Wert damals mit 2000 fränkischen Gulden pro Bierhaus angeschlagen. HBP: Wissen Sie… das könnte wirklich die Lösung sein. Keine Rückerstattung mittelalterlicher Kronjuwelen ohne Rückerstattung der Brauereien und Bierkeller. So können wir die Franken austrocknen. Die würden doch nie freiwillig unser Münchner Bier trinken. Montgelas: Und haben Sie erst einmal die Bamberger Biertrinker auf Ihrer Seite… HBP: …ist mir der Rest der Stadt so gut wie sicher. Bier ist denen dort allemal wichtiger als Kronen. Jetzt verstehe ich, wie Sie zu Ihrer Reputation gekommen sind. Montgelas: Es ist mir immer eine Freude, Nachfolgern zu helfen. HBP: Wenn ich es mir recht überlege, wäre diese Enteignung damals auch das Rezept für unsere heutigen Probleme. Verstaatlichung der Brauereien und Biergärten zu Gunsten der Bayerischen Zentralregierung. Montgelas: Das bringt doch nicht genug für den Staatssäckel. HBP: Da fände sich schon noch was. Das Bamberger Brückenrathaus machte sich z.B. in der Isar bei mir in Wolfratshausen nicht schlecht, die Riemenschneidermadonna aus Kreklingen wäre was für das Zimmer wo die Untersuchungsausschüsse tagen und wo nichts rauskommen darf, das Deckenfresko von Würzburg passte für den Aufgang in unserem Münchner Landtag und das Germanische Museum hätte ich auch gerne hier. Das wären garantiert eine Million Touristen mehr in Oberbayern. Natürlich dürfte man das nicht Säkularisation nennen, schließlich sind wir eine christliche Partei, aber… zu dumm, dass diese Dinge nicht alle noch den Kirchen in Franken gehören und wir das heute nicht wieder einsäckeln dürfen. Wofür haben wir denn die Franken hier in Bayern überhaupt noch? Montgelas: Ab und zu sind sie sehr nützlich. Als Steuerzahler zum Beispiel. HBP: Ein Fuchs sind Sie. Nachdem wir nicht mehr "säckeln" können…Sie hätten nicht zufällig einen Tipp, wie ich unseren Freistaat trotzdem ein für allemal saniere? Montgelas: Den Staat sanieren? Das wäre ein Wunder, und für dergleichen bin ich nicht zuständig. Dann hätten Sie vielleicht doch auf die letzten göttlichen Ratschläge hören sollen. HBP: Wie waren denn die? Da muß ich gerade in meinem Spiegelzimmer gewesen sein. Montgelas: Alle Politiker abschaffen und die Vernunft regieren lassen. HBP: Was? Keine steuerfreien Diäten mehr? Keine Aufsichtsratpöstchen, keine Dienstlimousinen mit Chauffeur, keine Praktikantinnen, keine Lobbyisten die unseren Urlaub bezahlen, keine Parteispenden, keine Dienstvilla, das ist ja eine neue Säkularisation, ja schlimmer noch als die alte damals war! Montgelas: Ja, fast wie vor 200 Jahren. Der Alte will auf diesen Weg dem Volk wiedergeben, was dem Volk genommen wurde. Er hat für seine Vorschläge 1803 gut aufgepasst, wie wir es mit seiner Kirche gemacht haben. HBP: Diesen göttlichen Ratschlag können wir wieder nicht befolgen. Vernunft sollte regieren! Seine Vernunft soll er im Himmel behalten. Ohne uns Politiker wäre halb München arbeitslos. Stellen sie sich mal diese Quote vor. Wovon sollten wir dann alle leben? Montgelas: Von Hartz 4. HBP. Davon kann unsereins nicht existieren. Das hat uns der Münte eingebrockt. Die Sozis sind an allem schuld. Versuchen wir´s lieber mal mit Beten. Gemeinsam: (murmelnd) ……. aber nicht dein, sondern mein Wille geschehe. |