Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Schreibbegeisterte
Ich arbeite
jetzt seit fast zwanzig Jahren als Autorin. Ohne unbescheiden klingen zu wollen: eigentlich kann ich mit dem
bisher Erreichten sehr zufrieden sein. Von meinen elf veröffentlichten Romanen tauchten die letzten neun alle auf den
Bestsellerlisten auf, wurden in dreizehn Sprachen übersetzt; einer von ihnen, "Die Puppenspieler", ist mit bereits 33
Auflagen auf dem besten Weg zur zweiten Million, wird gerade verfilmt, und im nächsten Jahr als Zweiteiler in der ARD
gesendet. Mit meinem neuen Buch, "Säulen der Ewigkeit" werde ich erstmals Lesungen auf einem Nilschiff zwischen Luxor
und Assuan haben, und in meinem nächsten Buch versuche ich ein Geheimnis für die Ewigkeit zu lüften - aber darüber möchte
ich an dieser Stelle noch nicht mehr verraten. Worüber ich heute schon sprechen will ist ein neues, anderes Projekt:
Warum nun aber diese Schreibwerkstatt?
Ohne jeden Zweifel liegt gerade im Literaturbereich ungeheuer viel Kreativität brach. In Schülerzeitschriften,
Schreibworkshops, an der Uni, bei Leserunden, in Rezensionen, Leserbriefen, ja gerade bei politischen Märchenstunden
im Fernsehen bin ich immer wieder auf erstaunliche Ideenvielfalt gestoßen. So viele Menschen haben das Potential,
mitreißende, aufregende, spannende und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Die Frage ist nur: Warum tun sie es
nicht - oder finden keinen Verlag?
Wie bei mir alles anfing
Um meine Kreativität auszuleben, habe ich wie viele Teenager 1984 begonnen, Geschichten über die Charaktere aus
dem Star-Wars- und dem Star-Trek-Universum zu verfassen. Zum Glück haben die Rechteinhaber diese Fanbewegung toleriert,
da sie nie auf kommerzielle Ziele ausgerichtet, sondern von Idealismus und Schaffensfreude angetrieben war. Ich bin dabei
hochinteressanten Mitschreibern und Kritikern begegnet, die mich bis heute als Freunde begleiten. Und ich habe auf diese
Weise sehr viel gelernt, denn für jeden jungen Schriftsteller ist es einfacher, Blätter an einen Ast zu hängen, ohne gleich
den ganzen Baum konstruieren zu müssen. Unsere Stories, die Vielschichtigkeit und Intensität der Auseinandersetzung mit
vorgegebenen Grunddaten, waren häufig wirklich gut. Und das ist auch heute noch so. Selbst Joanne K. Rowling soll mit Respekt
in der Stimme gesagt haben, dass sie nie auf einige der von Fans im Internet publizierten Wendungen der unautorisierten
Harry-Potter-Geschichten gekommen wäre. Damals wie heute gilt in den für "Fan-Fiction" offenen Internetforen: Jeder, der
mitmacht, wird unmittelbar gelesen, gelobt oder verrissen. Das ist lehrreich und gut so. Ich bin sicher: Weil ich durch diese
oft harte Schule gegangen bin, konnte ich später die Bücher schreiben, die sich millionenfach verkauften.
Zwei Freunden, die ich damals kennengelernt habe, sind mir später auf dem internationalen Buchmarkt wieder begegnet, Naomi
Novik und Jo Graham. Hatten wir nur Glück?
Nein, weil wir dem Glück entgegengegangen sind.
Ja, weil wir auf unserem Weg die richtigen Partner gefunden haben.
Eine Schreibwerkstatt im Internet
So,
wie für mich vor vielen Jahren die Jediritter und die Besatzung des Raumschiff Enterprise Möglichkeiten boten, meine
Kreativität unter Beweis zu stellen, viele Bücherfreunde aber die in den Internetforen immer noch überwiegend
anzutreffende Fantasy- und Science-Fiction-Literatur noch nicht für sich entdeckt haben, möchte ich nun in meiner
Schreibwerkstatt ein neues, ganz neutral gehaltenes Thema anbieten. Laßt uns versuchen, als Gemeinschaft ein
Buch aus dem "Hier und Jetzt" zu schreiben.
Wegen anderer anstehender Projekte muss ich hier eine Auszeit nehmen.
|