Gute Frage(n)

Die meisten Antworten auf das, was euch zu mir interessierte,  hatte ich auf meiner alten Homepage nun fast 14 Jahre stehen. Mit dieser neuen Version möchte ich aktueller sein, ohne die immer wieder gestellten Fragen zu vernachlässigen.  Fehlen euch trotzdem Aussagen von mir,  dann habt ihr die Möglichkeiten mich zu erreichen über Facebook und Twitter, oder könnt sie über diese Homepage an mich  stellen. Ich freue mich über jeden Kontakt mit meinen Lesern und werde ihn auch beantworten, so schnell es jeweils geht. Versprochen!

 

Was reizt Sie daran, Bücher über immer wieder andere Epochen und Personen zu schreiben, die in den unterschiedlichsten Ländern angesiedelt sind? Viele Ihrer Kollegen ziehen eine bestimmte Epoche oder Region vor.
Die Geschichte bietet eine solche Vielfalt faszinierender Epochen und Personen, daß ich glücklich über die Freiheit bin, mich nicht auf nur eine von ihnen festlegen zu müssen. Außerdem tut es mir gut,  mich immer neuen  Herausforderungen zu stellen, mich nicht darauf zu verlassen, daß ich mich irgendwo schon auskenne, sondern ständig vor der Aufgabe zu stehen, immer wieder einen anderen Personenkreis, andere Mentalitäten zu ergründen und zu schildern. Das bedeutet auch, ich schreibe bestimmt keine Fortsetzungen meiner Themen, weil diese Frage auch immer kommt.
Recherchieren Sie immer an den Handlungsorten Ihrer Romane?
Meistens.  Es ist nicht immer möglich, weil manche Orte eben unwiderruflich zerstört worden sind, oder in der Gegenwart nicht zugänglich. Aber in der Regel versuche ich, die Gegenden, die für meine Romane eine Rolle spielen, selbst kennen zu lernen.
Plant man eine neue Geschichte schon vor dem ersten Wort bis zum Ende?
Nicht im genauen Wortlaut, aber der grobe Verlauf der Handlung ist mir klar, ehe ich die erste Szene schreibe. Das ist allerdings erst dann möglich, wenn ich etwa eineinhalb Jahre für einen Roman recherchiert und über das, was ich erzählen möchte, nachgegrübelt habe.
Beginnen Sie bei Ihren Büchern immer mit dem Anfang, und schreiben Sie dann durchgehend?
Meistens, mit ganz wenigen Ausnahmen. Beispielsweise wußte ich bei den „Puppenspielern“ zwar, daß ich mit dem Prozeß gegen Richards Mutter beginnen wollte, aber war emotional noch nicht so weit, diesen ersten Teil zu schreiben. Also schrieb ich zunächst Richards Zeit in Augsburg bis zu seinem Aufbruch nach Italien, und ging dann zurück, um die ersten hundert Seiten über Zobeidas Prozeß und Tod zu verfassen.  Aber das war, wie gesagt, eine Ausnahme. In der Regel schreibe ich linear.
 
Wie kommt ein Schriftsteller zu seinen Ideen?
Auf die unterschiedlichsten Arten. Durch den Anblick eines Gebäudes oder einer Landschaft, durch Porträts, durch Diskussionen mit Freunden, durch die Lektüre eines anderen Buches, manchmal sogar durch Filme.
In welchen Ihrer Romanfiguren findet man das meiste von Ihnen selbst?
Ich schreibe nicht autobiographisch, jedenfalls nicht absichtlich.  Natürlich passiert es bei dem Versuch, glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, daß hin und wieder auch Eigenschaften oder Situationen auftauchen, die ich erlebt habe, aber das sind dann nur ein paar wenige Mosaiksteine in einem Gesamtporträt, bei dem die meisten der übrigen Steine anderswo herkommen.
Haben Sie immer auch eine optische Vorstellung von Ihren Protagonisten?
Hin und wieder tut mir die Historie den Gefallen und bietet Porträts.  Bei erfundenen Figuren ist das natürlich nicht der Fall, aber irgendwann während des Rechercheprozesses formen sich auch Ideen dazu, wie der Charakter aussehen könnte, ja.
Wie lange brauchen Sie für ein Buch?
Etwa zwei Jahre. Eineinhalb Jahre für die Recherche, und den Rest zum Schreiben und Korrigieren.  Es ist nicht nur eine Frage des Materialsammelns, sondern auch der Zeit, die ich benötige, um mich den Figuren anzunähern, mich zu entscheiden, ob ich das ganze Leben eines Menschen erzählen will, oder nur einen Ausschnitt daraus, was die wichtigsten Themen des Romans sein sollen, wo ich mit den Figuren hin will, et cetera.
Was muss ein Schriftsteller mitbringen, um erfolgreich zu sein, und kann man lernen, Bücher zu schreiben?
Meiner Meinung nach braucht man Talent,  Selbstdisziplin,  Übung, gute Lektoren und eine Portion Glück – jedenfalls, wenn man mehr als ein einziges Buch schreiben möchte.  Ohne Talent kommt man nicht weiter, aber wenn man nicht an sich arbeitet, sich fordert, und auch lernst, mit konstruktiver Kritik umzugehen, dann nützt einem nur das Talent auch nichts. Und über dieses unkalkulierbare Etwas, Glück, sind wir alle froh, wenn es uns erwischt!
Wo sehen Sie bei historischen Romanen die Wahrheitspflicht?
Um es flapsig auszudrücken: man sollte auf jeden Fall seine Hausaufgaben machen, ehe man sich Freiheiten nimmt,  und auf jeden Fall darauf achten,  so viel wie möglich über die jeweilige Epoche und/oder Person herauszufinden, die man beschreibt.  Andererseits ist einer der Vorzüge des Romanschreibens, daß man, anders als bei einem Sachbuch, nicht bei jedem Satz,  den eine Romanfigur von sich gibt, einen Quellennachweis geben muß.  Es ist nicht nötig, alle fünf Seiten ein vorsichtiges „so könnte es gewesen sein, aber möglicherweise auch anders“  einzuschieben,  weil den Lesern klar ist, daß sie bei einem Roman eine Mischung aus Fakten und Fantasie des Autors vor sich haben, nicht die eine, einzige Wahrheit mit Großbuchstaben.  Die gibt es übrigens auch in Sachbüchern nicht – gerade in der Geschichtsschreibung ist jedes Werk natürlich auch von den Zielen und Vorurteilen des Verfassers gekennzeichnet –  und wir Romanautoren stehen zu unserer Subjektivität.
Wie findet man einen Verlag?
Heute anders, als ich das noch tat.  Anschriften und Programme der Verlage lassen sich über das Internet schnell finden – und ein Blick in die Verlagsprogramme lohnt auf jeden Fall, schon, um zu sehen, ob der eigene Roman in die Richtung des Verlags paßt.  Aber während ich mein erstes Manuskript noch direkt einschicken konnte, läuft heute fast alles nur noch über Literaturagenten.
Braucht man heutzutage einen Literaturagenten?
Ja. In den Verlagen bleibt immer weniger Mitarbeitern immer weniger Zeit sich um alle Belange jedes Autors zu kümmern. Einiges muss man heute schon selbst übernehmen, vielen zukünftig noch mehr. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den Sozial-Media-Aspekt verweisen, der nicht zu vernachlässigen ist. Alles Sinnvolle allein übersehen zu können, das ist kaum noch möglich.
Welche Lieblingsschriftsteller haben Sie?
Zu viele, um sie alle aufzuzählen,  also beschränken wir uns auf die Lebenden. Was historische Romane betrifft, ist Sharon Penman meine Favoritin, obwohl  C.J. Sansom stark aufholt.  In Sachen Fantasy, ob in Gegenwart oder Vergangenheit:  Neil Gaiman.
Sehen Sie sich von anderen Schriftstellern beeinflußt?
Ich denke, jeder von uns hat seine eigene Stimme, aber jeder von uns wird auch von allem, was wir lesen, sehen und hören geprägt. Dazu gehören ganz gewiß für jemanden, der so leidenschaftlich gerne liest wie ich, auch viele Bücher von einer ganzen Reihe von Autoren!
Wie wichtig ist es Ihnen einen Spiegel-Bestseller zu schreiben?
Der Spiegel hat selbst vor Jahren mal zu meinen Büchern geschrieben: „ Daß ihr jüngster auf der Bestsellerliste steht, scheint so selbstverständlich zu sein wie Ebbe und Flut.“ Es waren nicht immer die ersten 15 Plätze der Spiegel-Bestsellerliste, leider, aber unter den ersten 30 bin ich wohl jeweils aufgetaucht.  Es hat mir Freude gemacht, aber nicht zufriedener, als es durch das Lob von Menschen möglich war, deren qualifizierte Meinung ich kannte.  Ich hätte dafür auch keinesfalls versucht, die Geschichte mit Blick auf die Bestsellerliste anders zu schreiben, wenn es überhaupt ein allgemeingültiges Rezept dafür gäbe. Es wäre frustrierend, nicht organisch genau die Geschichte zu erzählen, die ich erzählen möchte, sondern mich ständig mit einem Auge an diesbezüglichen Erwartungen zu orientieren.
Was passiert, wenn Sie die Recherche hinter sich haben und dann kommt ein Roman heraus, der genau das oder ähnliches behandelt?
Das ist schon mehrfach passiert. Beispielsweise  wollte ich über Friedrich II. schreiben, da kam mir Waltraut Lewin mit einem hervorragenden Roman zuvor; dann passierte ähnliches mit Elisabeth I. von Susan Kay, Richard III.  von Sharon Penman; dann wieder kam ich aus Südamerika zurück und fand das Buch von Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. So hatte ich einiges an Geld und Zeit investiert und werde auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wenn überhaupt, das Erarbeitete kaum verwenden können. C’est la vie!
Was verstehen Sie unter einem glücklichen Leben?
Eines,  bei dem man andere Menschen erreichen kann durch das, was man tut.
Welche Hobbys haben Sie?
Außer Lesen?  Reisen,  Kino, Theater,  Ski fahren im Winter und Schwimmen im Sommer.
Was hat Sie bewogen, einen gemeinnnützigen Verein zu gründen?
Meine Familie und ich waren nicht länger damit zufrieden,  nur ein, zwei Mal im Jahr anderen Vereinen etwas zu spenden. Wir wollten kontinuierlich helfen,  langfristige Projekte aufbauen, und vor allem sicher sein, daß unsere Hilfe auch im vollen Umfang dort ankommt, wo sie  ankommen soll und wo kaum anderweitig Hilfe die Bedürftigen erreicht. All das können wir zwischenzeitlich gewährleisten.
Ist die Dritte Welt nicht ein Faß ohne Boden?
Sie ist vor allem ein Faß, in das die erste Welt ihren Giftmüll gießt und ihre Waffen ausschüttet, um sich dann darüber zu wundern, daß sich an dem allgemeinen Elend nichts ändert.  Nein, ohne vom vorhergesagten etwas zurück zu nehmen:  wir reden hier nicht von Wassertropfen in Fässern oder auf heißen Steinen, sondern von Menschen. Natürlich kann niemand auf einen Schlag alles ändern. Aber jeder – und ich meine wirklich jeden einzelnen – kann mit nur ein wenig Engagement, das kann Zeit und/oder Geld bedeuten,  für eine ganze Reihe von Menschen einen wesentlichen Unterschied machen.  So sollte man Mitgefühl nicht verbal betrachten, sondern leben, wenn man Veränderungen erreichen will.